Anatomie
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vor 1 Monaten
Ich wälze mich schlaflos. Die Stunden verstreichen zähflüssig. Ärgere mich über mich selbst. Darüber, keine Gefährtin zu haben, keine Liebe zu empfinden, und seit so langer Zeit weder Nähe noch Sex zu erleben. Bin ich überhaupt noch fähig, solche Gefühle zu entwickeln? Leidenschaft? Verlangen? Sehnsucht? Liebe? Wie früher? Schon enttäuschte Liebe wäre schöner als die Leere. Denke ich. Ich rapple mich auf. Für fünf Minuten. Ungebrochen, nicht enttäuscht vom Leben, frohen Mutes, schmiede Pläne. Für vier Minuten. Nehme mir vor, wieder besser in Form zu kommen, wieder mehr Wert auf schöne Kleider zu legen, mehr raus zu gehen, mehr neue Leute kennen zu lernen, und vor allem interessantere. Was heisst: Potentielle Parterinnen. Für drei Minuten. Will weniger brüten, mehr ausgehen, an den See, in die Sonne. Weniger trinken und dafür aufmerksamer sein. Nehme mir vor, Frauen anzusprechen, wenn sie mir gefallen. Auch wenn sich schon beim Gedanken daran das mulmige Gefühl zu erwartender Abweisung breit macht. Will mich überwinden. Für zwei Minuten. Gehe ins Bad, trinke einen Schluck Wasser. Rasiere mich, betrachte mich im Spiegel und finde mich in Ordnung. Für eine Minute. Gehe schlafen. Alles vergessen. Der nächste Tag beginnt gleich wie alle anderen. Verläuft gleich. Endet gleich.
Gwendolan, 900 haben deine Sorgen gelesen. 1 Milliarde teilt sie mit dir. Ungefähr.

Okay, einverstanden. Ich hab ja auch nichts gegen die "Bleistiftbilder" (die keine sind). Nur ist es mir so nebenbei aufgefallen.
He, aber wenn dich jemand erkennen würde, wäre das doch gar nicht schlecht oder? Vielleicht würde dich jemand ansprechen - eine Frau vielleicht - und "zack" ist möglicherweise eine - wie du sagst - potentielle Partnerin darunter!
Heja, man darf doch optimistisch sein ...

Bei meinem Portrait handelt es sich um eine Fotografie meines Kopfes, und nicht um eine Bleistiftzeichnung. Die allzu leicht identifizierbaren Fotos habe ich im Hinblick auf diesen Blogpost aus meinem Profil entfernt - zurecht, wie mir scheint. Immerhin habe ich damit meine Sorgen mit knapp 900 Personen bisher geteilt - die müssen mich nicht unbedingt auf der Strasse oder gar bei der Arbeit erkennen.

Ist mir nur gerade so aufgefallen.Btw. Gwendolan: Gib die Hoffnung nicht schon vor dem Versuch auf! Unsichtbarde hat Recht, wenn er sagt, dass du dir selbst im Wege stehst. Zumindest kam mir das so vor nach dem Durchlesen von all den Beiträgen.
Man sagt doch, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Mir scheint aber, dass du sie bereits im Keim mit Resignation erstickst und noch vor dem eigentlichen Versuch aufgibst.
Kopf hoch!

http://www.youtube.com/watch?v=5PsnxDQvQpw
Gut 2003 wars schon nicht ganz, aber der Song ist ja auch schon älter...

Aber vielleicht kann euch der bekannte kanadische Paartherapeut und Eheberater Prof. Dr. Jon Lajoie weiterhelfen...
http://www.youtube.com/watch?v=qqXi8WmQ_WM
Natürlich hast du recht Knebezi. Aber sollte man das Gwendolan an dieser Stelle sagen?
Der Begriff Ehe kommt ja aus dem germanischen und bedeutet soviel wie Vertrag. Zur damaligen Zeit wurden die Frauen also per Abmachung an den Ehemann gebunden. Man könnte wohl von Zwangsehen sprechen, was allerdings praktisch begründet war. Die christliche Kriche hat dann später so einiges an germanischem Brauchtum übernommen um in der Gegend erfolgreich zu sein. Diese ewige Treue ist also ein Überbleibsel aus der Vergangenheit, als es eben tatsächlich noch wichtig war, ein Leben lang in einer Zweckgemeinschaft zu verbringen. Der menschlichen Natur entspricht dies eher weniger.
Partnerschaften sind heute weniger von der Unbill des Schicksals abhängig als vor 3000 Jahren. Der moderne Mensch in der westlichen Welt kann für sich alleine existieren. Mitunter gar besser, als zu zweit, denn so kann man all sein Geld auch nur für sich gebrauchen. Selbst um Kinder in die Welt zu stellen, muss man sich nicht mehr binden. Eine Frau kann ein Kind alleine grossziehen, die Chance, dass das Balg überlebt ist sehr, sehr gross. (So als grundsätzliche, evolutionstechnische Überlegung)
Allerdings gibt es Dinge, die zu zweit einfach mehr Spass machen, als alleine. Schmusen zum Beispiel, ist so was.
Aber auch sonst ist eine Partnerschaft häufig Garantie dafür, dass man in ein soziales Gefüge eingebettet ist. Selbst, wenn ein Paar nur für sich alleine lebt, hat doch jeder jemanden zum sprechen. Hat ein Paar Kinder, kommt man automatisch mit anderen Paaren, die ebenfalls Kinder haben, in Kontakt. Hier gibt es schon verschiedene, verbindende Elemente, die mannigfaltig von Vorteil sein können. Der Mensch tut gerne, was ihm zum Vorteil gereicht. Und wieso auch nicht?
Ich denke, dass ein Grund für die vielen Scheidungen eben darin liegt, dass man heute nicht mehr derart abhängig vom Partner ist, wie noch vor hundert Jahren und dass die Menschen auch egoistischer sind, als damals. Die Entfaltung der eigenen Ichs ist heute wichtiger. Die Gesellschaft ist zu gross geworden, als dass das der Einzelne darauf gross Einfluss hätte. Anders in Stammesgesellschaften, wo ein individueller Ausscherer das soziale Gefüge eben doch empfindlich stören kann.
Nichts desto trotz gibt es erfolgreiche Beziehungen. Man ist vielleicht nicht immer glücklich und zufrieden, aber dafür sind wir ja auch nicht auf der Welt. Wenn sich beide Teile entsprechend bemühen und die Balance zwischen geben und nehmen finden, kann man auch mit einem nicht so idealen Partner 50 Jahre verheiratet sein. Eben, eine Beziehung ist was pragmatisches, die Schmetterlinge gehen ja schnell genug wieder weg.
Wenn Frauen Männer, die sie spannend finden, ansprechen würden, dann wäre ich meine Sorgen wahrschienlich ohnehin schon längst los. Ich bin nämlich durchaus so optimistisch zu glauben, doch ab und zu für attraktiv und potentiell interessant befunden zu werden. Tatsächlich sind meine Ex-Freundinnen Frauen, die mich wollten und die mir das zu verstehen gaben. Schade, dass viele Frauen noch nicht so ganz gecheckt haben, dass sie - gleichberechtigt und rollenassimiliert wie wir heute leben - durchaus auch auf Männer zugehen dürfen.