no. 12: big apples from t...
vor 6 TagenInternationalKolumnenEs gibt Freundeskreise, die aus der Schule oder Nachbarschaft stammen. Es g... [weiter]
0 Kommentareno. 11: big apples from t...
vor 12 TagenKolumnenEs gibt Zeiten im Leben eines Musikers, wo „Intensität“ nicht mehr annähern... [weiter]
0 KommentareDas unseriöse Openair Fra...
vor 14 TagenFestivalMusic + MoreKolumnenSo, ich war also am Openair Frauenfeld. Am Samstag pünktlich um 19:00 auf d... [weiter]
0 Kommentare
Das Geheimnis (11)
vor 5 MonatenKolumnen
Hilfts, damit es euch erhelle,
Dass ich wuchs als Mensch, als Pflanze,
Wenn ich wie ein Hündlein belle,
Oder wie ein Göttlein tanze?

Wo du stehst, grab tief hinein!
Drunten ist die Quelle!
Lass die dunklen Männer schrein:
“Stets ist drunten – Hölle!”
Ein Unzeit gemässer Dialog:
Der Immoralist.
Zarathustra stieg abwärts und niemand begegnete ihm.
Herr Professor, Sie bezeichnen sich als ‘Maulwurf’. Wie ist das zu verstehen?
Ihr findet hier einen ‘Unterirdischen’ an der Arbeit, einen Bohrenden, Grabenden, Untergrabenden. In der Tat, meine geduldigen Freunde, ich will es euch sagen, was ich da unten wollte, hier in dieser späten Rede, die leicht hätte ein Nachruf, eine Leichenrede werden können. Denn ich bin zurückgekommen und – ich bin davon gekommen! Glaubt ja nicht, dass ich euch zum gleichen Wagnis auffordern werde! Oder auch nur zur gleichen Einsamkeit! Denn wer auf solchen Wegen geht, begegnet niemandem. Das bringen die ‘eigenen Wege’ mit sich..
Und von wo genau sind Sie zurück gekommen?
Damals unternahm ich etwas, das nicht jedermanns Sache sein dürfte: Ich stieg in die Tiefe, ich bohrte in den Grund, ich begann, ein altes Vertrauen zur Moral zu untersuchen und anzugraben.
Weshalb taten Sie dies?
Es ist bisher am schlechtesten über gut und böse nachgedacht worden.
Woran liegt das?
Es war dies immer eine zu gefährliche Sache: Das Gewissen, der gute Ruf, die Hölle, unter Umständen sogar die Polizei erlauben keine Unbefangenheit. In Gegenwart der Moral soll eben, wie angesichts jeder Autorität, nicht gedacht, noch weniger geredet werden; hier wird – gehorcht!
Der Gehorsam scheint nicht Ihre Lieblingstugend zu sein...
Man verlernt gründlich das Schweigen, wenn man so lange wie ich, Maulwurf war, alleine war.
Und worin genau bestanden Ihre ‘Grabungen’?
Um unserer europäischen Moralität einmal aus der Ferne ansichtig zu werden, um sie an anderen, früheren oder kommenden Moralitäten zu messen, dazu muss man es machen, wie es ein Wanderer macht, der wissen will, wie hoch die Türme einer Stadt sind: dazu verlässt er die Stadt.
Die Moral – verlassen?
Gedanken über moralische Vorurteile – falls sie nicht Vorurteile über Vorurteile sein sollen, setzen eine Stellung ausserhalb der Moral voraus, irgend ein Jenseits von Gut und Böse, zu dem man steigen, klettern, fliegen muss, eine Freiheit von allem ‘Europa’, letzteres als eine Summe von kommandierenden Werturteilen verstanden, welche uns in Fleisch und Blut übergegangen sind. Man muss sehr leicht sein, um seinen Willen zur Erkenntnis bis in eine solche Ferne und gleichsam über seine Zeit hinaus zu treiben, um sich zum Überblick über Jahrtausende Augen zu verschaffen. So haben die Griechen anders über den Neid empfunden, als wir: Hesiod zählte ihn unter den Wirkungen der guten wohltätigen Eris auf.
Eine Gottheit, die den Neid kennt?
Es hatte nichts Anstößiges, den Göttern etwas Neidisches zu zu erkennen: begreiflich, bei einem Zustand der Dinge, dessen Seele der Wettstreit war: Der Wettstreit aber war als gut festgestellt und abgeschätzt.
Gibt es weitere Beispiele?
Wie sich die moralischen Gesamt–Urteile verschoben haben! Diese größten Wunder der antiken Sittlichkeit, zum Beispiel Epiktet, wussten nichts von der jetzt üblichen Verherrlichung des Denkens an andere, des Lebens für andere; man würde sie nach unserer moralischen Mode geradezu unmoralisch nennen müssen, denn sie haben sich mit allen Kräften für ihr ego und gegen die Mitempfindung mit den Anderen (namentlich mit deren Leiden und sittlichen Gebrechen) gewehrt. Vielleicht, dass sie uns antworten würden: Habt ihr an euch selber einen so langweiligen oder häßlichen Gegenstand, so denkt doch ja an andere mehr als an euch! Ihr tut gut daran!
Die Juden haben den Zorn anders empfunden als wir, und ihn heilig gesprochen. Dafür haben sie die düstere Majestät des Menschen, mit welcher er sich zeigte, unter sich gesehen, die sich ein Europäer nicht vorzustellen vermag; sie haben ihren zornigen heiligen Jehovah nach ihren zornigen heiligen Propheten gebildet.
Kein historischer Sinn.