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Alice im Wunderland
vor 6 MonatenMovieKultur
Tim Burton, der wohl schrägste Filmemacher unserer Zeit, entführt uns mit seinem neuesten Werk "Alice im Wunderland" in jene wunderbar surreale Welt unter dem Kaninchenloch, in die wir uns schon in unserer Kindheit stets hin geträumt haben. Dabei hat die zauberhafte Märchen-Saga von Lewis Carroll, die immerhin schon 145 Jahren alt ist, nichts an ihrer Faszination verloren. Im Gegenteil: das Fantasy-Spektakel rund um Alice, das stets gestresste Kaninchen und den verrückten Hutmacher, zieht den Zuschauer durch neueste 3D-Technik und viel Sinn für das Skurrile und Gruselige nun noch mehr in den Bann.

Alice Kingsley (Mia Wasikowska) ist älter geworden; 19 Jahre alt, um genau zu sein. Immer noch flüchtet sich das eigenwillige und aufgeweckte Mädchen in Traumwelten voller Abenteuer und schräger Gestalten, dies jedoch meist unfreiwillig. Denn jede Nacht verfolgt sie ein und derselbe (Alb-)Traum: sie träumt von einer schrägen Katze, die einfach so verschwindet, einer Wasserpfeife rauchenden Raupe, einem Dodo-Vogel, der spricht, oder einem verrückten Hutmacher, der am liebsten mit einer kleinen Maus und einem ebenso verrückten Kaninchen Tee-Partys feiert.
Eines Tages staunt sie nicht schlecht, als sie während einer Gartenfeier einen Heiratsantrag von Hamish, dem wohlhabenden, aber sterbenslangweiligen Sohn von Lord und Lady Ascot erhält. Anstatt ihm zu antworten, lässt sie die versammelte Gesellschaft stehen, um einem sonderbaren weissen Kaninchen mit einer Taschenuhr zu folgen. Als das Kaninchen in einem Loch im Boden verschwindet, fällt auch Alice dort hinein und landet in der wunderbaren Welt mit Namen Unterland. Dort trifft sie auf eben jene kunterbunten Wesen, von denen sie stets glaubte, dass sie bloss ihrer Phantasie entsprungen sind.

Mit Alice im Wunderland kehrt der amerikanische Regisseur Tim Burton („Sleepy Hollow“, „Big Fish“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“) zu Disney zurück und liefert dabei gleichzeitig seine siebte (!) Zusammenarbeit mit Johnny Depp. Dass sich gerade einer der schrägsten und genialsten Filmemacher dieser wunderbaren Geschichte annahm, ist wohl das Beste, was dem zeitlosen Buchklassiker von Lewis Carroll passieren konnte. Die australische Newcomerin Mia Wasikowska brilliert als Alice mit ihrer Natürlichkeit und ihrem Charme, während Burtons Lieblingsmusen Johnny Depp (als verrückter Hutmacher) und Burton-Lebensgefährtin Helena Bonham Carter (als die herrlich-tyrannische Herzkönigin) im Film Platz finden, um ihre Skurrilitäten gewohnt gekonnt auszuleben. Um Depp mehr Raum für die Entwicklung seines schizophrenen, aber liebenswürdigen Charakters einzuräumen, wurde die Rolle des Hutmachers deutlich ausgebaut. Mit orangem Haar, irrem Kostüm, viel Schminke und digital bearbeiteten hellgrünen Augen schafft er es, die Exzentrik seiner Figur auf die Spitze zu treiben.

Fazit: Tim Burton gelingt mit Alice im Wunderland eine originelle und völlig eigenständige Neubearbeitung des Klassikers. Denn Burton versucht gar nicht erst, dieselbe Geschichte, die wir alle entweder in Buchform oder aus dem 1951 erschienenen Disney-Film kennen, noch einmal gleich zu erzählen. Stattdessen vermischt er Motive aus den beiden Alice-Büchern (die Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“ erschien 1872) und erzählt eine fantasievolle und actionreiche Geschichte mit viel Witz und Charme – und dem typischen Burton Grusel-Look.
Bewertung: 5 von 5
• Deutscher Titel: Alice im Wunderland
• Originaltitel: Alice in Wonderland
• Land: USA (2010)
• Regie: Tim Burton
• Dauer: 109 Minuten
• Darsteller: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway
• Verleih: Walt Disney Pictures Switzerland
• Kinostart: 4.3.2010