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Ein Unzeit gemässer Dialog
Der Immoralist, Forts.

Ihr Kollege von der Universität zu Königsberg verehrt bekanntlich zwei Dinge über alles...

Und nun rede mir nicht vom kategorischen Imperativ, mein Freund! Dies Wort kitzelt mein Ohr, und ich muss lachen! Kant, der zur Strafe dafür, dass er sich das ‘Ding an sich’ erschlichen hatte, vom ‘kategorischen Imperativ’ beschlichen wurde, und mit ihm im Herzen sich wieder zu Gott, Seele, Freiheit und Unsterblichkeit zurück verirrte, einem Fuchs gleich, der sich in seinen Käfig zurück verirrte! Wie? Du bewunderst den kategorischen Imperativ in dir? Diese ‘Festigkeit’ deines moralischen Urteils’, ‘so wie ich, müssen hierin alle urteilen?’ Bewundere vielmehr deine Selbstsucht darin! Er hätte seine ‘Kritik der reinen Vernunft’ nicht nötig gehabt, wenn ihm eins nicht wichtiger gewesen wäre, als alles, nämlich das ‘moralische Reich’ unangreifbar für die Vernunft zu machen – er empfand die Angreifbarkeit einer moralischen Ordnung der Dinge zu stark! Er glaubte an die Moral, nicht weil sie durch Natur und Geschichte bewiesen wird, sondern trotzdem dass ihr durch Natur und Geschichte beständig widersprochen wird.

Selbstsucht?

Ist nicht der Ursprung aller Moral in den abscheulichen kleinen Schlüssen zu suchen: “Was mir nützt, das ist etwas Gutes (an sich Wohltuendes und Nutzenbringendes); was mir einmal oder einige Male nützt, das ist das Freundliche an sich oder in sich. Und sitzt hinter dieser wahren Narrheit nicht noch der unbescheidenste aller Hintergedanken, dass wir selber das Prinzip des Guten sein müssen, weil sich Gutes und Böses nach uns bemisst? Um uns noch einmal der unschuldigen Sprache Kant’s zu bedienen, der es als seine eigene “nicht so glänzende, aber doch auch nicht verdienstlose” Aufgabe und Arbeit bezeichnet, “den Boden zu jenen majestätischen sittlichen Gebäuden eben und baufest zu machen” (Kritik der reinen Vernunft II, S. 257). Ach, es ist ihm damit nicht gelungen, im Gegenteil – wie man heute sagen muss. Kant war mit einer solchen schwärmerischen Absicht eben der rechte Sohn seines Jahrhunderts, das, mehr als jedes andere, Jahrhundert der Schwärmerei genannt werden darf. Wenn ich mich erinnere, dass ein so heller Kopf wie der Schopenhauers an solchem schwärmerischen und nichtswürdigen Krimskrams seine Freude hatte, und diese Freude wieder auf helle und halbhelle Köpfe übergepflanzt hat: so weiß ich der Verwunderung und des Erbarmens kein Ende. Wie groß muss unsere Lust am unbegreiflichen Unsinn sein! Wie nahe dem Verrückten steht immer noch der ganze Mensch!

Eine Handbreit Grund - darauf kann man steh'n
- Und Zarathustra winkt im Vorübergeh'n...


Wie? Du empfindest die Sterne als Etwas über dir?


Author
Frank Jost